Netflix hat ein Exklusivinterview mit Jane Goodall in der Dokumentation Famous Last Words online gestellt.
Die posthumen Worte von Jane Goodall
Wenige Tage nach ihrem Tod im Alter von 91 Jahren stellte Netflix ein Exklusivinterview mit Jane Goodall in der Dokumentation Famous Last Words online. Sie spricht über ihre Wahrnehmung der Menschheit, ihre Fehlentwicklungen und vor allem über die Parallelen zwischen den Primaten, die sie ihr ganzes Leben lang studiert hat, und dem menschlichen Verhalten.
Zur Erinnerung: Jane Goodall ist eine berühmte britische Ethologe, Primatenforscherin und Anthropologin. Sie ist insbesondere für ihre Arbeiten im Zusammenhang mit Schimpansen bekannt. Sie starb am 1. Oktober in Los Angeles.
Die Alpha-Männchen ... im Weltraum!
Jane Goodall erklärt auf humorvolle Weise ihren Wunsch, "Alpha-Männchen"-Führer wie Donald Trump, Elon Musk, Wladimir Putin, Xi Jinping und Benjamin Netanjahu auf eine Reise ohne Wiederkehr ins Weltall zu schicken.
Mit dieser Aussage symbolisiert sie ihre Kritik an Führungspersönlichkeiten, die von ihrem Ego, ihrer Aggressivität und ihrem unaufhörlichen Streben nach Macht beherrscht werden.
Ihrer Meinung nach sind sie alle von den Realitäten der Erde, die sie zerstören, abgekoppelt.
Tierisches und menschliches Verhalten
Sie erinnert uns auch daran, dass das menschliche Dominanz- und Rivalitätsverhalten den Verhaltensweisen, die bei Schimpansen beobachtet werden, sehr ähnlich ist.
Sie hebt bestimmte Zeichen hervor, insbesondere die Körperhaltung, die Demonstration von Stärke, die Einschüchterung und vor allem den Willen zu beeindrucken, um sich durchsetzen zu können.
Zwei Arten von "Alphamännchen"
Goodall identifiziert zwei Hauptkategorien von Anführern, sowohl bei Schimpansen als auch bei Menschen.
Der erste setzt sich durch Brutalität, Schrecken und Drohungen durch. Er übt seine Autorität nur kurzzeitig aus, da seine Macht auf Aggression und Misstrauen beruht.
Der zweite setzt sich durch List, Zusammenarbeit und Bündnisse durch, wobei er sich häufig auf vertrauenswürdige Partner oder Verbündete stützt.
Diese Art der Führung, die intelligenter und kollektiver ist, hält länger an. Dieser scheinbar triviale Unterschied verkapselt die gesamte Sozialphilosophie der Forscherin: Der Fortbestand der Gruppe beruht eher auf Solidarität als auf roher Macht.
Die Ansteckung durch kollektive Aggressionen
Sie führt die Parallelen zwischen Schimpansen und Menschen weiter aus, indem sie als Beispiel dafür anführt, wie sich Angst oder Wut von einem Individuum auf eine ganze Gruppe ausbreitet.
Wenn sich ein Schimpansenmännchen aufregt, ahmen die anderen sein Verhalten nach: Ihre Schreie werden lauter und die ganze Gruppe wird aggressiv.
Dieses Phänomen ist auch beim Menschen zu beobachten: kollektive Gewalt, politische Wut und Medienschelte.
Politisierung des Tierverhaltens
Jane Goodall geht über den einfachen Vergleich mit dem Tierreich hinaus: Sie bietet eine Lesart der zeitgenössischen Herausforderungen.
Sie sagt, dass die Kämpfe um die Führung, die Spaltungen zwischen den Nationen, die geopolitischen Machtverhältnisse und die Rhetorik der Führer uralte Herrschaftsreflexe offenbaren.
Indem sie Führer wie Trump, Putin, Xi oder Netanyahu erwähnt, zeigt sie diese animalische Dimension der Politik konkret auf. Sie ist jedoch nicht pessimistisch, sondern sagt, dass unser biologisches Erbe überwunden werden kann.
Bildung - Gegenmittel gegen Hass
Um diesen aus unserer Vergangenheit stammenden Herrschaftsinstinkten entgegenzuwirken, bietet sich Bildung als die legitimste Lösung an.
1991 gründete Jane Goodall Roots & Shoots, eine Initiative, die junge Menschen über Umweltprobleme, Artenschutz und humanitäre Belange aufklären sollte. in ihren Augen kann nur durch Bildung eine Generation entstehen, die von Empathie, Offenheit und Rücksichtnahme auf die lebende Welt geleitet wird.
Die Menschheit wird fortbestehen
Der Artikel schließt mit einer einfachen und universellen Botschaft:
"Selbst wenn der Planet dunkel ist, gibt es noch Hoffnung."
Jane Goodall glaubte nicht an sofortige Revolutionen, sondern an die Kraft von kleinen, wiederholten Gesten. Wie Churchill während des Krieges plädierte sie für Hartnäckigkeit, Ausdauer und den Glauben an den menschlichen Mut. Sie forderte jeden auf, jeden Tag etwas zu tun, auch wenn es noch so bescheiden ist, um die Schönheit der Welt zu bewahren.
In ihren Abschiedsworten sprach sie nicht nur über Wissenschaft oder Ökologie, sondern über die Menschheit. Die Menschheit besitzt das Potenzial und die Pflicht, diese Instinkte in Klarheit und den Geist der Zusammenarbeit umzuwandeln.