In Miami, einem der reichsten Kunstfestivals der Welt, findet auf der diesjährigen Art Basel Miami Beach ein mehr als faszinierendes Kunstprojekt statt. Die Kunstperformance vereint eine Gruppe von vierbeinigen Robotern, die hyperrealistische Silikongesichter von Tech-Milliardären und weltberühmten Künstlern tragen. Diese Kreaturen, halb Mensch, halb Hund, scheinen direkt einem Videospiel oder einem realen Albtraum entsprungen zu sein, in dem sich Träume und Realitäten vermischen. Im Mittelpunkt dieses Projekts steht ein Künstler namens Beeple, der mit bürgerlichem Namen Mike Winkelmann heißt. Er ist bereits am ersten Tag der Messe im Robotergehege zu sehen, wo er die Kunstwerke vom Boden aufhebt, um sie den Besuchern zu präsentieren, aber auch innerhalb seines Projekts mit zwei Robotern, die sein Gesicht tragen.

Der Name des Konzepts: „Regular Animals”. Das Verhalten dieser Kreaturen ist ebenso faszinierend wie verstörend. Sie wandern durch ein Gehege, wobei sie manchmal fast ineinander laufen. Musk verzieht die Lippen, Picasso starrt ins Leere. Am provokantesten ist jedoch ihr kreativer Prozess: Nach dem Zufallsprinzip kippen die Roboter nach hinten und stoßen über einen Bildschirm mit Poop-Modus (Kack-Modus) ein gedrucktes Werk aus ihrem Hinterteil aus. Über die skatologische Provokation hinaus verbirgt sich hinter dem Werk eine ausgeklügelte Kritik an unserer Beziehung zu Technologie und Information. Jeder Roboter ist mit Kameras ausgestattet und arbeitet autonom. Sie nehmen Bilder ihrer Umgebung (Besucher, Messe) auf und nutzen eine künstliche Intelligenz, um diese visuellen Daten entsprechend der Persönlichkeit, die sie verkörpern, neu zu interpretieren:

Hier liegt die zentrale Botschaft von Beeple: die einseitige Kontrolle der Wahrnehmung. Der Künstler erklärt, dass diese Milliardäre über ihre übermächtigen Algorithmen entscheiden, was wir sehen, und unsere Realität beeinflussen. Sie sind zu den Hauptfiltern geworden, durch die die Menschheit Informationen konsumiert. Beeples Warnung ist eindeutig: „Wir sind nicht bereit für die Zukunft.“ Die Rückkehr der NFT Beeple, der nach seinem Rekordverkauf von 69,3 Millionen US-Dollar bei Christie’s im Jahr 2021 zum drittteuersten lebenden Künstler wurde, sieht die Entwicklung des Marktes klar. Er räumt ein, dass der Zusammenbruch der NFT-Blase aufgrund der Massenproduktion uninteressanter Projekte unvermeidlich war. Die Art Basel 2025 markiert jedoch ein Wiederaufleben der digitalen Kunst. Die von Roboterhunden „defäkierten” Ausdrucke sind nicht einfach nur Papier: Es handelt sich um NFT, die mit der Blockchain verbunden sind. Beeple spielt hier mit der Ironie und materialisiert die gängige Kritik, dass NFTs nur Bullsh** (Schwachsinn) seien, indem er diese digitalen Vermögenswerte buchstäblich durch seine Skulpturen defäkieren lässt.
Der Empfang durch das Publikum schwankt zwischen Abscheu, Unbehagen und Bewunderung. Die Grenze zwischen real und künstlich wurde sogar getestet, als echte Hunde die Roboter anbellten – eine Interaktion, die den Künstler entzückte. Für Beeple weisen diese dynamischen Skulpturen in die Zukunft der Kunst, in der die Werke lebendig und mit simulierten Emotionen ausgestattet sein werden. Das Experiment hat jedoch ein vorprogrammiertes Ende: Obwohl sich die Roboter weiterhin bewegen werden, wird ihre kreative Fähigkeit (Bilder zu erzeugen und in der Blockchain zu speichern) nach drei Jahren aufhören. Trotz des grotesken Charakters der Installation war der kommerzielle Erfolg sofort da. Bereits in der ersten Stunde der Messe hatten alle Tiere wie die kleinen Musk, Zuckerberg und Beeple ihre Käufer gefunden, was beweist, dass Provokation in der zeitgenössischen Kunst nach wie vor einen hohen Stellenwert hat.