Ein Vulkanausbruch zu Beginn der Schwarzen Pest

Crédit: GettyImages @ Hulton Archives – Culture Club

Eine neue Studie, die in der Zeitschrift Communications Earth & Environment veröffentlicht wurde, belebt die Debatte über den Ursprung und den Ausbruch des Schwarzen Todes, jener tödlichen Krankheit, die im 14. Jahrhundert die Hälfte der europäischen Bevölkerung dezimierte. Die Wissenschaftler sind zwar mit den Mechanismen der Pest vertraut, insbesondere mit ihrem Erreger und ihrer Übertragung durch Ratten und Flöhe, doch diese jüngste Entdeckung liefert eine erste Erklärung für den zeitlichen Ablauf ihrer Ankunft in Europa und vergleicht sie mit den Verwüstungen, die sie bereits in den zentralasiatischen Gemeinden angerichtet hatte. Die Forschungsergebnisse legen nahe, dass der Ausbruch der Pandemie auf einen Vulkanausbruch um 1345 zurückzuführen sein könnte, der das Klima abkühlte und zu Hungersnöten führte, was wiederum Getreideimporte zur Folge hatte, die die Pest eingeschleppt haben könnten.

Diese Infografik veranschaulicht das Ausmaß von Pandemien im Laufe der Geschichte, einschließlich COVID-19. Datenquellen: CDC, WHO, BBC, Wikipedia, Historical records, Encyclopedia Britannica, Johns Hopkins University (Grafik von Visual Capitalist via Getty Images)

Die Forschungsarbeit von Ulf Büntgen und seinen Kollegen stützte sich auf Indizien aus Baumringen: Anhand der Baumringe konnte das Team die Temperatur- und Niederschlagshistorie der letzten 2000 Jahre in Europa mit bemerkenswerter Genauigkeit rekonstruieren. Ulf Büntgen beobachtete, dass die Temperaturen im gesamten Mittelmeerraum zwischen 1345 und 1357 leicht unter dem Durchschnitt lagen. Diese Klimaanomalie erregte sofort seine Aufmerksamkeit und veranlasste ihn, seine Forschungen zu vertiefen, um den Ursprung und die Mechanismen dieser Anomalie zu verstehen. Die Abkühlung eines Klimas kann auf verschiedene Faktoren zurückgeführt werden: Er stellte die Hypothese auf, dass ein Vulkanausbruch zum Ausstoß von Aerosolen führte, die das Klima abkühlten. Um seine These zu bestätigen, untersuchte er anschließend Eiskernbohrungen aus dem Jahr 1345 aus Grönland und der Antarktis. Die Ergebnisse waren eindeutig: Die Bohrkerne wiesen einen hohen Schwefelgehalt auf, der auf Vulkanausbrüche hindeutet.

Auf einer Konferenz traf Martin Bauch, ein mittelalterlicher Klimahistoriker, der in die Forschung im Zusammenhang mit der Entwicklung des Schwarzen Todes investiert hatte, auf Ulf Büntgen. Beide interessierten sich für dieselben abnormalen Klimajahre, die als ausschlaggebend für die Entstehung des Schwarzen Todes galten. Um den sozialen Kontext dieser Schlüsseljahre zu rekonstruieren, hatte Martin Bauch bereits Verwaltungsdokumente, Briefe, Abhandlungen über die Pest, Gedichte und Inschriften analysiert. Der Historiker vom Leibniz-Institut für Geschichte und Kultur Osteuropas in Leipzig entdeckte in diesen Archiven übrigens auch Spuren vulkanischer Aktivität. Er wies auch auf seltsame Zeugenaussagen hin, insbesondere in China und Böhmen, die von Mondfinsternissen berichteten, die nach der Berechnung der Umlaufbahnen zu diesem Zeitpunkt nicht hätten stattfinden können. Seiner Meinung nach ist es möglich, dass ein mit (möglicherweise vulkanischen) Partikeln gefüllter Himmel das Aussehen des Mondes von der Erde aus gesehen verändert und zu diesen ungewöhnlichen Mondbeschreibungen geführt hat.

Black Death – bildliche Darstellung der Geschichte und Verbreitung des „Schwarzen Todes” in der ganzen Welt, spätes 19. bis frühes 20. Weltkarte mit Vignetten, die historische Ereignisse darstellen; der Todesengel; ein Krug aus Theriaca; der Heilige Rochus hebt seinen Mantel, um die Pestbeule oder Bubo in seiner Brust zu zeigen; schwarze Ratten; Plague Doctor’s Mask etc. Der Schwarze Tod war eine Beulenpestpandemie, die von 1346 bis 1353 in Europa auftrat. Es war eine der tödlichsten Pandemien in der Geschichte der Menschheit; so viele wie 50 Millionen Menschen starben. Erfinder: Monro Scott Orr (Foto von Heritage Art/Heritage Images via Getty Images)

Diese Ereignisse fügten sich zu einer Kausalkette zusammen, die schließlich die Pandemie des Schwarzen Todes auslöste. Auf den Vulkanausbruch folgte eine mehrjährige Kältewelle, die sich verheerend auf die Ernten im gesamten Mittelmeerraum auswirkte. Diese Krise in der Landwirtschaft führte zu menschlichen Handlungen, die unbeabsichtigt die Ausbreitung der Pest beschleunigten. Um der durch die sinkenden Erträge verursachten Hungersnot zu begegnen, sahen sich wichtige italienische Stadtstaaten wie Venedig und Genua gezwungen, dringend Weizen aus der Schwarzmeerregion zu importieren. Diese wertvollen Lieferungen waren jedoch mit dem tödlichen Bakterium Yersinia pestis, das die Pest verursacht, verseucht. Rattenflöhe, die die Krankheit übertragen, werden besonders von Getreidevorräten angezogen und konnten dank des Getreidestaubs monatelang überleben. Dadurch konnten sie die lange Seereise vom Schwarzen Meer nach Italien überstehen. Nachdem das Getreide am Zielort angekommen war, kam es durch die Lagerung und Umverteilung der Ware zur Verbreitung der Flöhe und damit des Erregers auf dem Kontinent. Die Folgen waren katastrophal: Vor der Pandemie wurde die Weltbevölkerung auf weniger als 450 Millionen geschätzt. Zwischen 1347 und 1351 tötete der Schwarze Tod mindestens 25 Millionen Menschen. Die Schockwelle dieser Katastrophe hinterließ soziale, wirtschaftliche und kulturelle Auswirkungen, die noch jahrzehntelang spürbar waren.